Sie sind klein, puschelig und kompakt. Sie fliegen von Blüte zu Blüte und sammeln fleißig Nektar. Ganz nebenbei bestäuben sie auf ihren Flügen die Blüten: Die Honigbienen sind nicht nur Sympathieträger und produzieren den köstlichen Honig, den wir uns gerne zum Frühstücks aufs Brot streichen oder mit dem wir in kalten Tagen eine heiße Zitrone versüßen. Die Honigbienen sind für unser Ökosystem enorm wichtig, schließlich ist die Bestäubung für die Pflanzen essentiell. Ohne Bestäubung keine Früchte, kein Gemüse. Keine Blüten, die zu dicken Zucchini oder bunten Paprika reifen, keine Äpfel, Kirschen oder Pflaumen. Die Pflanzenwelt ist auf die kleinen Insekten angewiesen, sie buhlen quasi um die Gunst der Honigbienen, indem sie sie mit Duftstoffen und prächtigen Farben anlocken. Schon lange wissen die Menschen um die Köstlichkeit des Honigs. Unsere Vorfahren haben in ihren prähistorischen Höhlen Malereien hinterlassen, auf denen zu sehen ist, wie Honig gesammelt wird. Erste Aufzeichnungen über Honig und seine Verwendungszwecke sind von den alten Ägyptern überliefert. Sie nutzten Honig nicht nur als Nahrungsmittel, sondern verwendeten ihn auch für medizinische Zwecke und religiöse Rituale.
Vom Nektar zum Honig
Doch wie wird eigentlich aus Nektar Honig? Die Honigbienen leisten hier ganze Arbeit. Mit ihren langen Rüsseln können sie tief in die Blütenkelche eindringen und den Nektar aufsaugen. Ihr sogenannter Honigmagen dient ihnen als Zwischenlagerung bis die Bienen wieder in ihrem Bienenstock angekommen sind. Auf dem Rückflug wird der Nektar von Enzymen im Honigmagen und schon teilweise verdaut. Im Bienenstock übergibt die Sammelbiene an eine Stockbiene und macht sich wieder auf den Weg, weiteren Nektar zu finden.
Im Stock geht der Prozess weiter: Die Stockbiene fügt ihrerseits dem Nektar Enzyme zu. Dabei wird Wasser aus dem Nektar verdunstet, was den Zuckergehalt erhöht und den Honig haltbar macht. Anschließend kommt der verarbeitet Nektar in eine Wabe, wo er durch Wärme und Luftzirkulation des Bienenvolks weiter eindickt. Die Bienen fächeln mit ihren Flügeln, um die Verdunstung zu beschleunigen. Erst wenn der Wassergehalt des Nektars auf etwa 18-20 % gesunken ist, gilt der Honig als reif und wird von der Biene versiegelt. Dieser gesamte Vorgang kann je nach Wetter, Temperatur und Blütenangebot zwischen einigen Wochen und mehreren Monaten dauern.
Im Durchschnitt sammeln Bienen etwa 5 bis 6 Milliliter Nektar, um ein Gramm Honig herzustellen. Für ein Glas Honig, müssen die Bienen also viele Tausend Blüten besuchen, um genügend Nektar für ein Glas Honig zu sammeln.
Berufsimker
In Rheinland-Pfalz haben sich etwa 6.700 Imker und Imkerinnen in Vereinen und Verbänden organisiert. Rechnet man noch die nicht organisierten Bienenhalter hinzu, sind es etwa 7.200 Imker im ganzen Bundesland. Davon sind nur wenige Berufsimker, die meisten betreiben die Imkerei als Hobby. Doch auch die Hobbyimker, die meist nur wenige Völker haben, tragen dazu bei, dass flächendeckend die kleinen Insekten ihre wichtige Arbeit leisten und wir köstlichen Honig schlecken können.
Imkerei und Honighandel Doll
Benjamin Doll aus Mendig ist einer der Berufsimker in Rheinland-Pfalz. Blütenhonig, Rapshonig, Sommerhonig, Akazienhonig – je nachdem, wo seine Bienenvölker stehen, bietet er unterschiedliche Honigsorten an. Doll hat sein Hobby zum Beruf gemacht. In der Schule wurde die Liebe zu den Honigbienen entfacht, als ein Imker im Biologieunterricht von der Imkerei und den Honigbienen erzählte. Schon wenige Tage später half er dem Imker und tauchte in die Welt der Honigbienen ein. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum „Berufsimker“ – genauer gesagt heißt es Tierwirt/Tierwirtin mit dem Schwerpunkt Imkerei.
Benjamin Doll hat verschiedene Standorte für seine Völker. Während Hobby-Imker meist nur wenige Völker haben, benötigen Berufsimker mehr als 50. Ansonsten könne man davon nicht leben, sagt Doll. Einer seiner Standorte ist Monreal und wenn die Honigbienen ein Faible für alte Gemäuer hätten, würden sie sich freuen, beim Ein- und Ausfliegen die Burgruine zu sehen. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass sie sich ausschließlich für die Blüten um sie herum interessieren. Der effektive Radius einer Honigbiene betrage etwa drei Kilometer, erklärt Doll. Spezielle Vorlieben hätten die Bienen eigentlich nicht, meint Doll, sie flögen auf die Blüten, die auf ihrem Weg lägen. Ein Feld voller Raps zieht sie natürlich magisch an, denn hier können die Bienen in kurzer Zeit viel Nektar sammeln. In Monreal sind es im Frühjahr eher die Obstblüten und später die Sommerblumen, auf die die Bienen fliegen und dort ihren Nektar sammeln. Durch die unterschiedlichen Standorte erhält Benjamin Doll ganz unterschiedliche Honigsorten: „Jeder schmeckt anders“. Für jeden Geschmack ist also etwas dabei.
Wenn der Mendiger gerade keinen Honig macht, kümmert er sich um seine Bienenköniginnen. Sie ist das zentrale Element eines jeden Bienenvolkes. „Wir züchten mit größter Sorgfalt“, sagt Imker Doll. Nach rund zwei Jahren tauscht er die Königinnen in seinen Völkern aus. „Im Winter leben etwa 15 bis 20.000 Bienen im Stock. Die Arbeiterinnen bilden eine Wintertraube um die Königin. Die Temperatur innerhalb des Stocks bleibt den ganzen Winter annähernd gleich. Zwischendurch fliegen die Bienen kurz heraus und bringen den Kot weg“, erzählt Doll. Durch die kurzen Ausflüge spüren die kleinen Insekten, wann es Frühjahr wird. Wenn es langsam wärmer wird, beginnt die Königin Eier zu legen und die Saison startet.
Ausbildung und Fortbildung
Es gibt eine dreijährige Berufsausbildung, für diejenigen, die gerne hauptberufliche Imker werden möchten. Am Ende steht der Tierwirt/Tierwirtin mit dem Schwerpunkt Imkerei. Wer mit der Imkerei als Hobby starten oder sich weiterbilden möchte, kann sich an die Imkerverbände wenden, zum Beispiel den Imkerverband Rheinland-Pfalz e.V. Dies ist der freiwillige Zusammenschluss von Imkervereinen in Rheinland-Pfalz. Über den Imkerverband werden Schulungen angeboten und man erhält Informationen über Vereine in der Nähe des eigenen Wohnortes. (https://www.imkerverband-rlp.de/)