„Es hat etwas Magisches, früh morgens das Erwachen der Natur mitzuerleben“, sagt Michaela Pistono, Landwirtin und Jägerin. 2019 hat sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Mathias Wolf den elterlichen Hof übernommen, den Heidehof Dieblich. Sie sei zwar auf dem Hof und mit den Tieren und der Landwirtschaft aufgewachsen, doch die Entscheidung, den Hof zu übernehmen, sei nicht von vornherein klar gewesen, erzählt die 34-Jährige. Sie hat zunächst Betriebswirtschaftslehre studiert, dazu noch eine Ausbildung zur Landwirtin.
Es gehe nur zusammen und jeder müsse mithelfen, sagt Michaela Pistono, schließlich habe man auch viel Verantwortung für so einen Hof. Und da ihr Lebensgefährte sich entschloss, als Zimmerermeister mit in die Landwirtschaft einzusteigen, haben sie zusammen die Entscheidung getroffen, den Hof zu übernehmen. Mastbullen, Geflügel, Eier, Kartoffeln, Obst und noch einiges an Gemüse – der Hof ist breit aufgestellt. Hinzu kommt noch ein großes Angebot an Wild, denn Michaela Pistono ist selbst Jägerin. Sie habe sich dafür schon sehr früh interessiert und die Jäger begleitet. Der eigene Jagdschein war für sie dann selbstverständlich. Inzwischen ist sie Mitpächterin im Moselrevier.
Wildfleisch – gesund, nachhaltig und natürlich
Wildbret gilt als besonders gesundes Fleisch: Es ist mager, eiweißreich und enthält viele wertvolle Mineralstoffe sowie Spurenelemente wie Eisen, Zink und Selen. Durch die natürliche Lebensweise der Tiere kommt es ohne Zusatzstoffe oder Mastfutter aus – das Fleisch ist frei von Medikamentenrückständen und ist reich an ungesättigten Fettsäuren.
Landwirtschaft prägt das Landschaftsbild des Kreises
Der Landkreis Mayen-Koblenz hat eine Fläche von mehr als 81.000 Hektar – die landwirtschaftliche Fläche beträgt davon 48,6 Prozent, die Waldfläche 31,2 Prozent und „nur“ 16,9 Prozent entfallen auf Siedlungs- und Verkehrsfläche. Die Landwirtschaft prägt das Landschaftsbild des Kreises. Auch wenn die Landwirtschaft nicht der prägende Motor für die gesamte regionale Wirtschaft ist, ist der Einfluss aus der Landwirtschaft heraus dennoch groß. Die Landwirtschaft leistet nicht nur ihren Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung, gerade im Bereich Weinbau hat sie einen hohen Stellenwert für den Tourismus. Neben dem Weinbau kann der Kreis auf zahlreiche Obst- und Gemüsebauer und landwirtschaftliche Betriebe mit Viehwirtschaft verweisen.
Der Heidehof Dieblich
Die Familie vermarktet ihre Produkte unter anderem über ihren eigenen Hofladen. Vor sechs Jahren hat die Familie den gebaut, geöffnet ist er sieben Tage die Woche, von morgens früh bis in den Abend. Bezahlen ist Vertrauenssache, denn nicht immer ist jemand im Laden zum kassieren. Das funktioniere gut, freut sich Michaela Pistono. Kartoffeln, Eier, Obst und Fleisch bietet der Heidehof Dieblich an. Hinzu kommen einige Produkte wie Wein von befreundeten Landwirten. „Es ist alles regional und saisonal. Wenn die Pfirsiche ausverkauft sind, kaufen wir keine dazu“, betont die Landwirtin. Im Angebot des Ladens ist natürlich auch Wild – Reh- und Schwarzwild schießt sie selbst in ihrem Revier, Rotwild bekommt sie von befreundeten Jägern zum Verkauf.
Hofeigene Schlachterei
Produziert wird alles auf dem Hof: Von der Aufzucht über die Schlachtung bis hin zur Verarbeitung. „Das ist das Beste für die Tiere“, ist die Landwirtin überzeugt. Hier kommt wieder die Familie ins Spiel: Der Onkel von Michaela Pistono hatte eine Schlachterei in Koblenz, inzwischen kümmert er sich um das Fleisch vom Heidehof. Daher kann nicht nur fachgerecht geschlachtet, sondern das Fleisch anschließend verarbeitet werden: Braten, Grillwürste, Aufschnitt – sowohl Rind- wie auch Wildbret - werden auf dem Heidehof hergestellt, nach alten Familienrezepten. Hinzu kommen noch die Dosen mit Wildrouladen oder Wildgulasch. Viele Kunden kommen direkt aus dem Ort, doch manche machen sich extra auf den Weg, um auf dem Heidehof einzukaufen, um sich mit Fleisch und Gemüse frisch vom Hof einzudecken.
Jagdreviere seit dem 19. Jahrhundert
Die Idee der Jagdreviere entstand im 19. Jahrhundert. Bis ins frühe Mittelalter war die Jagd üblicherweise frei, jeder durfte jagen, doch mit der Zeit beschnitten die deutschen Könige die Möglichkeit, der Bevölkerung, überall auf die Jagd zu gehen. Sie wiesen Bannwälder aus und nur die herrschende Obrigkeit durfte in den Wälder auf die Jagd gehen und besaß das subjektive Jagdrecht..Geändert hat sich dies erst mit der Revolution 1848/49, in deren Verlauf das subjektive Jagdrecht mit dem Grundeigentum verbunden und die Jagd auf dem eigenen Grund und Boden in der Frankfurter Reichsverfassung sogar zu einem Grundrecht erhoben wurde. Mit Einführung der Reichsjagdgesetze 1934 wurde das Prinzip des „Reviers“ gesetzlich verankert: Jagd ist seitdem untrennbar mit Grund und Boden verbunden. Organisiert sind die Jäger in der Mehrheit im Jagdverband. Die rund 1.000 Mitglieder der Kreisgruppe Mayen-Koblenz des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz sind in 13 Hegeringe gegliedert.
Tiere beobachten
Die Tage von Michaela Pistono sind sehr gefüllt, auf einem Hof gibt es immer etwas zu tun. Doch manchmal nehme sie sich frühmorgens etwas Zeit und setze sich auf ihren Hochsitz, sagt sie. „Es ist eine Auszeit für mich. Einfach auf dem Hochsitz zu sitzen und den Tag zu begrüßen. Erst ist es ganz still und dann fangen die Vögel an zu zwitschern. Mit etwas Glück sieht man eine Bache mit ihren Frischlingen – das ist einfach schön“, begeistert sich die Jägerin und Landwirtin.
Wildwochen
Wild genießen steht bei den „leckerMYK Wildwochen“ vom 24. Oktober bis 9. November auf dem Programm. Verschiedene Gastgeber in der Region Mayen-Koblenz laden ein, köstliche Wildgerichte zu probieren. Und wer selber kochen möchte, kann sich unter anderem auf dem Heidehof Dieblich mit den passenden Zutaten versorgen.