Steil sind sie, die Weinberge an der Mosel. 50 bis 70 Prozent sind keine Seltenheit, Maschinen können daher kaum verwendet werden. Wer an der Mosel im Kreis Mayen-Koblenz entlangfährt, wird auf der Fahrt begleitet von diesen Hängen, an denen sich die Weinreben an den Berg schmiegen, gestützt durch den Terrassenbau, der so typisch ist an der Mosel. Der blaue und graue Schiefer glitzert bei Sonnenschein. Er speichert tagsüber die Sonne und gibt die Wärme nachts wieder an die Rebstöcke ab. Er prägt die Mineralität des Weins.
Die Tradition des Weinbaus hat an der Mosel schon eine lange Geschichte: Die Römer brachten die ersten Rebstöcke in diese Region und seitdem wird hier Wein angebaut – heute ist es vorzugsweise der Riesling, der an den Hängen wunderbar gedeiht und für den die Mosel weltweit bekannt ist. Das Mineralische, Nuancen von Pfirsich und die feine Säure kennzeichnen den Riesling.
Weingut Dötsch-Haupt
Der Riesling ist die wichtigste Rebsorte an der Mosel. Dies gilt auch für das Weingut Dötsch-Haupt in Kobern-Gondorf. Martin Dötsch, der zusammen mit seinem Sohn Philipp das Weingut leitet, kann auf eine lange Familientradition zurückblicken. Schon mit Beginn des 20. Jahrhunderts baute die Familie Wein an. In dieser Zeit aber noch als Mischbetrieb. Die Spezialisierung erfolgte erst später, als Vater Franz 1983 das Familienweingut übernahm. 1986 führte er es er mit dem traditionellen Weingut seines Schwagers, dem Weingut Heinrich Haupt zusammen. Seither werden jährlich rund 10 Hektar in den Koberner Spitzenlagen bearbeitet – überwiegend Riesling aber auch Weißburgunder und Spätburgunder.
Maschinen können kaum eingesetzt werden, daher ist Handarbeit unverzichtbar. Viel Wissen ist notwendig, damit im Herbst die Trauben gelesen und zu einem qualitativ hochwertigen Wein verarbeitet werden können. Martin Dötsch hat als Winzermeister und Weinbautechniker viel Erfahrung gesammelt. Auch Sohn Philipp ist Weinbautechniker und verantwortet inzwischen den gesamten Ausbau der Weine – vom ersten Schritt im Keller bis zum fertigen Glas.
Arbeitsschritte im Weinjahr
Die Natur gibt den Ton an im Weinbau. Nach dem Höhepunkt des Weinjahres, der Weinlese, fangen die Arbeiten nach dem Laubfall wieder von vorne an. Fast 90 Prozent vom Holz wird beim Rebschnitt nach dem Guyot-System weggeschnitten. Zurück bleibt die Bogrebe, die den Großteil der kommenden Ernte trägt. „Wir schneiden im Winter jeden Stock ganz individuell“, erzählt Martin Dötsch. Im Frühling werden die Bogenruten gebogen und am Drahtrahmen befestigt, Stämme gereinigt und überzählige Triebe ausgebrochen, damit eine Rebe nur tragen muss, was sie verkraftet.
Mit dem Vegetationsstart Ende April/Anfang Mai muss der Winzer, die Winzerin sich entscheiden, wie viel Laub am Rebstock bleiben darf. „An die Pflanzen muss Luft kommen, das ist der beste Schutz vor Krankheiten“, erklärt Dötsch. Doch zu viel Laub darf auch nicht weggeschnitten werden, sonst können die Trauben einen Sonnenbrand bekommen. 7 bis 8 Runden sind bei den Laubarbeiten zu bewältigen – mindestens. Wie wird der Sommer? Wird er trocken, regnet es viel? Welche Temperaturen werden herrschen? Fragen, die die Ernte am Ende des Weinjahres bestimmen.
Gespritzt wird mittlerweile mit Drohnen und nicht mehr großflächig mit dem Hubschrauber. Damit seien sie in Kobern-Gondorf Vorreiter für die Region gewesen, erzählt der Winzermeister. „Wir wollen uns verantwortungsvoll im Weinberg verhalten“, so Dötsch.
Auf dem Weingut Dötsch-Haupt dauert die Lese rund drei Wochen, danach steht die Arbeit im Keller an, um den Wein auszubauen. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess bis schließlich etwa Ende April der Wein des Vorjahres in Flaschen abgefüllt werden kann. Für das Jahr 2026 ist Winzermeister Dötsch optimistisch: „Die Trauben sind zwar klein, die Qualität aber sehr gut“-
Weinberg Breyer Hämmchen
Auf eine lange Weinbau-Tradition kann ebenfalls der Ort Brey – rheinabwärts von Koblenz - zurückblicken. Doch 2004 schien sie beendet zu sein, denn der damalige Ortsbürgermeister Rudolf Knep musste seinen Mitbürgern verkünden, dass die Geschwister Margret und Hermann-Josef Weingart ihren Weinberg – und damit den letzten Weinberg in Brey – aufgegeben hatten. Sollte damit die 800jährige Tradition beendet sein? Die Bürger des Ortes konnten sich dies nicht vorstellen, schließlich hatte der Wein aus ihrer Region regelmäßig auf Landes- und Bundesebene goldene Prämierungen erhalten. Was also tun? Eine Idee bahnte sich ihren Weg: Könnten wir nicht gemeinsam einen neuen Weinberg betreiben?
Rudolf Knep, der Vorsitzende der Weinbruderschaft Breyer Hämmchen erinnert sich noch gut an die Diskussionen in der Zeit. „Wir hatten ja keine Ahnung vom Weinbau und mussten uns alles erarbeiten“. Mindestens 1 Hektar müsste es schon sein, damit der Weinberg wirtschaftlich betrieben werden könne, hätten ihnen zwei Weinbauingenieure geraten. Der Wille, die Weinbautradition in Brey zu erhalten war groß und die Rekultivierung ist eine dieser Geschichten, die von viel Gemeinschaft und Idealismus erzählt. Die Schwierigkeiten zu Beginn waren groß: Die passende Fläche musste gefunden und Eigentümer zum Verkauf überzeugt werden. Die Fläche musste komplett gerodet werden und Ideen waren gefragt, wie der Kauf der Rebstöcke gestemmt werden könnte. Inzwischen war der Verein, die Weinbruderschaft Breyer Hämmchen mit Rudolf Knep als Vorsitzendem gegründet worden. Zur Finanzierung wurden Patenschaften ausgegeben, mit Erfolg: 90 Paten fanden sich mit Hilfe der lokalen Presse. Mehr als 4.000 neue Rebstöcke – alles Riesling – wurden zunächst gepflanzt und 2018 um etwa 550 erweitert.
15 bis 18 Aktive seien regelmäßig dabei, sagt Knep. Den Ausbau des Weins übernimmt ein Winzer und die Spritzarbeiten übernehmen Lohnarbeiter, doch der Rest wird ehrenamtlich von den Mitgliedern der Bruderschaft bewältigt. Jede Woche sind sie im Weinberg und erledigen alle notwendigen Arbeiten. „Die Geselligkeit kommt aber nicht zu kurz“, lacht Rudolf Knep. Mittlerweile konnte die Bruderschaft sogar in Brey in der Rheingoldstraße einen Keller – den Bacchus-Keller – eröffnen. Der ist freitags bis sonntags sowie an Feiertagen geöffnet. Interessierte können den Wein vom Breyer Hämmchen verkosten und kaufen, wie auch Wein von anderen Winzern aus der Region.
Weinbau in der Region
Im Kreis Mayen-Koblenz gibt es noch viele Winzerinnen und Winzer, die mit viel Herzblut ihre Weingüter betreiben. Über Online-Shops können die Weine eingekauft werden oder direkt vor Ort in den Vinotheken. Bei einer Weinprobe tauchen Weininteressierte in die faszinierende Welt des Weins ein und lassen sich gerne die vielen Geschichten von den Winzerinnen und Winzern rund um den Wein erzählen. Einige bieten regelmäßige Verkostungen auf ihren Höfen an, Weinproben können gebucht werden oder sie sind auf Weinfesten unterwegs, um ihren Wein anzubieten.
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